
Trotz massiever Investitionen ist die Kernenergie weltweit auf dem Rückzug. Die Fakten sprechen gegen die Atomkraft, auch wenn eine Renaissance der Kernenergie beschworen wird.
Können wir ohne Atomenergie leben und welche Folgen hat der Atomausstieg in Deutschland?
Der Atomausstieg in Deutschland wurde 2011 von einer Koalition aus CDU/CSU und FDP nach dem Fukushima-Unglück von einer Mehrheit der Gesellschaft unterstützt. Nach einem Streckbetrieb, der aufgrund des Ukraine-Kriegs angeordnet wurde, ist die Atomkraft in Deutschland seit dem 15. April 2023 endgültig beendet. Stattdessen wurden erneuerbare Energiekonzepte, die gezielter, günstiger und effizienter Stromerzeugung ermöglichen, flächendeckend ausgebaut. Inzwischen werden in Deutschland mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern generiert. So war es in Deutschland möglich, den Ausfall der Atomkraftwerke und damit des Atomstroms im vergangenen Jahr problemlos durch erneuerbare Energien zu kompensieren. Demzufolge wird Deutschland trotz des Ausstiegs aus der fossilen Stromerzeugung langfristig Nettostromexporteur, da die Erneuerbaren weiter ausgebaut werden.
Steigende Investitionen in erneuerbare Energien führen mittel- bis langfristig zu einem kontinuierlich sinkenden Strompreisniveau, ohne dass Atomkraft oder fossile Brennstoffe notwendig sind. Auch das Klima profitiert davon: Trotz des Atomausstiegs in Deutschland ist der Anstieg der CO2-Emissionen gebremst. Ein Atomausstieg ist für die Umsetzung einer klimafreundlichen Energiewende und zur Begrenzung der globalen Erderwärmung auf 1,5 Grad nicht nur vorteilhaft, sondern auch unverzichtbar.
Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromerzeugung
Der Anteil der Atomenergie an der weltweiten Stromerzeugung lag vor fast 30 Jahren noch bei mehr als 17 %. Heute beträgt dieser Anteil ungefähr die Hälfte. Die Tatsache, dass Atomkraft nur zwei bis drei Prozent der gesamten Energieversorgung beiträgt und damit eigentlich irrelevant ist, ergibt sich eben aus einem globalen Stromanteil von neun Prozent, trotz 70 Jahren massiver staatlicher Zuschüsse auf der ganzen Welt. Im Jahr 2022 wurde der größte Rückgang der Atomenergie weltweit seit dem Fukushima-Reaktorunglück beobachtet. Die Zahl der Reaktoren liegt heute bei 415, was deutlich niedriger ist als die Höchstzahl von 440 im Jahr 2005. Fünf neue Atomreaktoren wurden im vergangenen Jahr in Betrieb genommen und fünf alte wurden geschlossen. Dies führte zu einer Verringerung der installierten Stromleistung um ein Gigawatt.
Im Jahr 2023 verzeichneten Solaranlagen eine Steigerung der Leistung um 440 Gigawatt. Trotz vieler Bekundungen zur Atomkraft wird der Anteil der Atomenergie in der EU bis 2030 und noch stärker bis 2040 weiter deutlich sinken. Nicht nur die Unfallgefahr und das unlösbare Atommüllproblem sind gefährlich für Atomenergie, sondern auch die Vortäuschung von Sicherheit und einer Lösung für Energiefragen. Das führt dazu, dass echte Klimaschutzmaßnahmen nicht durchgeführt werden und Investitionen in Erneuerbare Energie werden abgelehnt. Es ist für den Uweltschutz verhängnisvoll, sich der Atomkraft zu widmen, bis diese angeblich unsere Stromversorgung lösen wird.
Können Kernkraftwerke mit erneuerbaren Energien konkurrieren?
Erneuerbare Energien sind ökonomischer und liefern Strom effizienter, da sie wesentlich schneller und kostengünstiger ausgebaut werden können. Im Unterschied zur Kernenergie sind erneuerbare Energien fluktuierende (schwankende) Energiequellen. Das bedeutet, dass sie besser regulierbar sind und sich an den gegenwärtigen Bedarf anpassen können, vor allem bei Energieknappheit. Weiterer Ausbau erneuerbarer Energien ermöglicht es, den gesamten Strombedarf auf lange Sicht zu decken. Im Gegensatz dazu können Kernkraftwerke in ihrem Leistungsbereich nur teilweise reguliert werden, da eine rasche An- und Abschaltung nicht machbar ist. Um sich an sich verändernde Bedürfnisse anzupassen und Stromknappheiten zu überbrücken, sind sie zu kostspielig und nicht flexibel. Daher stellte der Atomausstieg in Deutschland eine politische Entscheidung dar, die Investitionen und eine schnelle Entwicklung erneuerbarer Energien ermöglichte. Auf diese Weise lassen sich auch die Klimaziele der Bundesregierung einfacher umsetzen.
Prognosen gehen davon aus, dass Solar- und Windkraftanlagen bis zum Jahr 2030 ungefähr das Zehnfache der Treibhausgasreduzierung beitragen werden als Atomkraftwerke. Die Energieindustrie setzt schon jetzt auf erneuerbare Energien und verkündet damit das Ende der fossilen Brennstoffe.
Warum wurden in Deutschland die Atomkraftwerke abgeschaltet?
Teuer, langsam und gefährlich sind nur drei negative Eigenschaften der Atomkraft, was auch Gründe für die Energiewende sind. Erneuerbare Energien sind dagegen preiswert und können im eigenen Land produziert werden. Ergo, sie schaffen keine langfristigen Abhängigkeiten wie die fossilen Energieträger zum Beispiel.
Der Deutsche Bundestag hat am 30. Juni 2011 einen Beschluss zur Beendigung der Kernenergie gefasst. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 war der Hauptgrund für die Abstimmung des Deutschen Bundestages und somit für den Ausstiegsbeschluss.
Warum ist Atomkraft so teuer?
Die Kernenergie ist mit Abstand die teuerste Energiequelle. Insbesondere die Anfangsinvestitionen für den Bau von Kernkraftwerken sind beträchtlich und liegen oft um ein Vielfaches höher als ursprünglich veranschlagt. Die Baukosten für das Kernkraftwerk Hinkley Point C in Großbritannien zum Beispiel wurden ursprünglich auf rund 21 Milliarden Euro geschätzt. Inzwischen sind es rund 50 Milliarden Euro und die Bauzeit verlängert sich auf rund sechs Jahre. Hinzu kommen Ausgaben für die Sanierung der Kraftwerke, den Urantransport, die Brennelementefertigung, die Sicherheitssysteme und die Entsorgung des Atommülls, für den es noch kein Endlager und kein Organisationskonzept für kommende Generationen gibt.
Small Modular Reactors (SMRs) sind kleinere, sicherere und angeblich kostengünstigere Alternativen zu konventionellen Kernkraftwerken, unter dem Strich aber genauso teuer wie die klassischen Reaktoren. Für das gleiche Geld, das in Atomkraft investiert wird, könnte ein Vielfaches an Strom aus Wind- oder Sonnenenergie erzeugt werden. Es zeigt sich also, dass Atomkraft nie wirklich eine „billige Energie“ war, sondern hauptsächlich durch staatliche Subventionen finanziert wird. Während die Atomkraft immer teurer wird, sinken die Ausgaben für erneuerbare Energien auf Kosten der Atomkraft weiter.
Warum ist die Atomkraft gefährlich?
Die Atomenergie ist ein gefährlicher Energieträger. Das Risiko eines Super-GAUs lässt sich trotz technologischer Fortschritte und strikter Sicherheitsvorschriften nicht vollständig ausschließen. In Atomkraftwerken und Atomanlagen auf der ganzen Welt kommt es immer wieder zu Fehlfunktionen, kritischen Situationen und fast Unfällen. Auch kleine Fehler können verheerende Folgen haben. Während der gesamten Atomkraftnutzung gab es in Deutschland mehr als 6.500 meldepflichtige Störungen. Nur fünf Prozent des radioaktiven Materials entwichen 1986 beim Absturz im Atomkraftwerk Tschernobyl. Dies verursachte eine radioaktive Verseuchung eines riesigen Gebietes von 200.000 Quadratkilometern. Die Umgebung des Kraftwerks ist bis zum heutigen Tag unbewohnbar und wird voraussichtlich noch zehntausende Jahre dauern.
Daher arbeiten Wissenschaftler intensiv daran, Atomkraftwerke durch verschiedene Methoden sicherer zu machen und Störungen zu verhindern. Extreme Wetterereignisse wie Tsunamis und Dürren stellen eine zunehmende Gefahr für Atomkraftwerke dar. Bei Stromausfällen könnten die Reaktoren explodieren und Radioaktivität freisetzen. Selbst nach der Stilllegung von Atomkraftwerken müssen die Reaktoren über einen längeren Zeitraum gekühlt werden, was eine funktionierende Infrastruktur erfordert. Seit den Ereignissen vom 11. September 2001 ist auch die Bedrohung durch terroristische Angriffe auf Atomkraftwerke gestiegen. Kein einziges der weltweit 415 Atomkraftwerke ist wirksam gegen den Absturz eines Verkehrsflugzeugs geschützt. Zudem können kriegerische Angriffe auf Atomanlagen auf allen Kontinenten stattfinden, wie aktuell in der Ukraine und bereits 1991 in Slowenien geschehen.
Die Atomkraft gefährdet den Weltfrieden
Eine zunehmende Bedrohung des Weltfriedens stellen die oft verborgenen militärischen Interessen dar, die mit zivilen Atomkraftprojekten einhergehen. Noch bevor der amerikanische Wissenschaftler Oppenheimer die erste Atombombe entwickelte, war der Bau eines Atomreaktors als Grundlage unerlässlich. Diese Verbindung zwischen Atomwaffen und Reaktoren bestand von Anfang an, wird jedoch meist verschwiegen. Die zivile Atomtechnologie ermöglicht es erst, den Bau und die Modernisierung von Atomwaffen zu finanzieren und das nötige Wissen dafür zu erwerben. So entstanden beispielsweise die Atombomben in Pakistan, Indien, Nordkorea und Israel: Veröffentliche Baupläne einer Urananreicherungsanlage wurden zur Herstellung von Atomwaffen verwendet. Daher zielen neue Reaktorkonzepte und -technologien wie die Kernfusion stets auch darauf ab, neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Atomwaffen zu schaffen.
In der National Ignition Facility, wo diese Experimente stattfinden, beschäftigen sich Wissenschaftler nicht nur mit der Entwicklung von Kernfusionsreaktoren, sondern auch mit der Wirkungsweise von Atombomben, ohne tatsächlich Atombombentests durchführen zu müssen. Dies ermöglicht die stille Weiterentwicklung von Atomwaffen. Das ist gefährlich, denn irgendwann könnte der Punkt erreicht sein, an dem Interessengruppen die Ergebnisse dieser kostspieligen und langwierigen Forschung tatsächlich anwenden wollen.
Atomreaktoren der vierten Generation sind noch Zukunftsmusik
Atomreaktoren der vierten Generation gelten als die Zukunft der Kernenergie, da sie hohe Anforderungen an Sicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllen sollen. Sie umfassen verschiedene innovative Konzepte wie wassergekühlte, leistungsstarke Reaktoren, Hochtemperaturreaktoren und Flüssigsalzreaktoren, die gegenüber früheren Generationen verbesserte Sicherheitsmerkmale und eine höhere Wirtschaftlichkeit bieten.
Die Entwicklung dieser Reaktoren begann im Jahr 2000, und obwohl die ersten Prototypen ursprünglich um das Jahr 2020 in Betrieb genommen werden sollten, wurde dieser Termin auf 2030 verschoben. Kommerziellen Anlagen werden sogar nicht vor 2040 bis 2050 erwartet. Dies zeigt, dass die Technologie noch in der Entwicklungsphase ist und es einige Zeit dauern wird, bis sie weit verbreitet eingesetzt wird.
Einige der Vorteile, die mit Reaktoren der vierten Generation verbunden sind, umfassen:
- Erhöhte Sicherheit: Durch das Design und die Verwendung fortschrittlicher Materialien soll das Risiko von Unfällen minimiert werden.
- Nachhaltigkeit: Diese Reaktoren könnten dazu beitragen, das Problem der Endlagerung von radioaktiven Abfällen zu lösen, indem sie langlebige Abfälle in kürzerlebige umwandeln.
- Wirtschaftlichkeit: Sie sollen kosteneffizienter sein und könnten eine konkurrenzfähige Alternative zu fossilen Brennstoffen bieten.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass trotz der potenziellen Vorteile die kommerzielle Nutzung dieser Technologie noch Jahrzehnte in der Zukunft liegt und es noch Herausforderungen gibt, die überwunden werden müssen, wie die Endlagerung von radioaktiven Abfällen und die hohen Kosten, die mit dem Bau neuer Anlagen verbunden sind.


Ein Gedanke zu “Atomkraft versus Erneuerbare Energien: Welche Argumente gegen die Kernenergie sprechen”