
Das Thema Ernährung ist Gegenstand zahlreicher Mythen. Einige sind seit langem widerlegt worden, aber trotzdem bleiben sie hartnäckig. Bei vielen Forschungsarbeiten besteht jedoch Uneinigkeit. Aber auf eine goldene Regel sind sich alle einig: Die Entwicklung des Gewichts wird von der Kalorienzufuhr abzüglich des Verbrauchs bestimmt. Das heißt, wenn jemand mehr Kalorien konsumiert als verbraucht, nimmt zu. Wer weniger Kalorien konsumiert, als verbraucht, verliert an Gewicht.
Oder anders formuliert: der Stoffwechsel bestimmt den Energiebedarf. Theoretisch würde dies folgendes bedeutetn: Wenn zwei Personen, die gleichermaßen groß, schwer und alt sind und sich genauso viel bewegen, nehmen beide entweder gleich viel ab oder zu. Eine Reihe von Studien, darunter die des National Institute of Health in Arizona, zeigen allerdings, dass dies nicht vollständig der Fall ist. 14 Männer konsumierten über einen Zeitraum von zwei Tagen zweimal so viele Kalorien, wie sie tatsächlich benötigen würden, um ihr Gewicht zu halten. Die Energieerhaltungsformel besagte, dass sich ihre Körper alle in ähnlicher Weise entwickeln sollten, aber die Probanden reagierten tatsächlich ganz anders. Einige hatten mehr Körperwärme durch die gesteigerte Energieaufnahme, während andere die zusätzlichen Kalorien in Fettreserven auflagerten. Es scheint also Menschen zu geben, die essen können, was sie wollen, ohne an Gewicht zuzulegen, während andere schon beim bloßen Anblick von Kuchen, Burgern und Ähnlichem an Gewicht zulegen.

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Eine weitere Untersuchung befasste sich mit adipösen Frauen und Männern. Für sechs Wochen konsumierten sie lediglich die Hälfte der Grundumsatzkalorien. Einige von ihnen haben fast ab Tag eins abgenommen, während andere viel langsamer abgenommen haben und am Ende wieder zugenommen haben.
Könnte also der Stoffwechsel eine Ursache für die unterschiedliche Gewichtsentwicklung sein und wie finde ich heraus welcher Stoffwechseltyp bin ich?
Gibt es verschiedene Stoffwechseltypen?
Das ist leider nicht ganz so einfach. Denn es gibt keine Studien, die dies belegen, obwohl es den Mythos gibt, dass es verschiedene Stoffwechseltypen gibt. Es ist nämlich viel komplexer.
Vereinfacht ausgedrückt bezieht sich der Begriff „Stoffwechsel“ auf alle Prozesse im Körper, bei denen die in den Zellen aufgenommenen Nährstoffe umgewandelt, umgebaut oder zu neuen Produkten gebildet werden. Es gibt wohl mindestens zwei verschiedene Stoffwechseltypen: denjenigen, der überschüssige Kalorien in Wärme umwandelt und denjenigen, der sparsam mit Energie umgeht und Fettreserven anlegt, was evolutionsbiologisch am sinnvollsten war, wenn man sich die genannten Studien über Fasten, Zu- oder Abnehmen genauer ansieht.
Wie sinnvoll ist eine Stoffwechselanalyse?
Natürlich kann man testen, ob der Stoffwechsel funktioniert. Eine theoretisch gute Idee, aber die Situation mit den Tests ist leider noch mangelhaft. Es besteht die Möglichkeit, dass solche Tests dazu beitragen könnten, festzustellen, welche Ernährungsform für einen selbst langfristig am besten funktioniert, aber sie stellen sicherlich nicht die vollständige Wahrheit dar. Für die Zukunft bedeutet dies trotzdem ein erhebliches Potenzial. Der Stoffwechsel kann immer genauer gemessen werden, aber eben noch nicht ausreichend. Stoffwechseltests lohnen sich also nicht unbedingt und man sollte sich nicht auf sie verlassen.
Das Angebot an At-Home-Tests zur Bestimmung des Stoffwechseltyps zeigt, dass sich viele Menschen dennoch nach einfachen Antworten auf komplexe Fragen sehnen. Testkits für zu Hause werden vor allem über soziale Medien verbreitet. Am Ende soll ein Ernährungsplan auf Basis der eigenen DNA stehen. Dabei werden bestimmte Genvarianten untersucht, die eine wichtige Funktion im Stoffwechsel haben. Das Ergebnis gibt Aufschluss darüber, ob Fette, Kohlenhydrate oder Proteine besser verstoffwechselt werden können.

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Da es so viele Faktoren gibt, ist das auch deshalb so herausfordernd. Einige davon sind bereits von der Genetik bestimmt, aber im Gegensatz zu früheren Vermutungen dürfte dies eine eher geringe Rolle spielen. Neben seltenen Krankheiten sind auch Geschlecht, Hormone, Alter, Muskelmasse, Ernährung, Bewegung, Schlaf, psychische Gesundheit und der zirkadiane Rhythmus, also die innere Uhr, relevant. Es spielt für einige eine Rolle, ob sie am Morgen oder am Abend mehr essen. Und das Mikrobiom sollte auch eine wichtige Rolle spielen. Aber man weiß auch dort nicht genug.
Das bedeutet, dass die Nährstoffe im Körper auf unterschiedliche Weise verarbeitet werden. Manche Menschen scheinen die Kalorien effizient zu verstoffwechseln, während andere das Gefühl haben, bereits beim Anblick eines Kuchens Fettreserven anzulegen. Dieses Gefühl ist übrigens gar nicht unbegründet. Es lässt sich nachweisen, dass bestimmte Hirnareale schon beim Anblick von Nahrung aktiviert werden, ähnlich wie bei Suchtmechanismen. Besonders Frauen sind davon betroffen.
Kann man seinen Stoffwechseltyp ändern?
Der Stoffwechsel spielt dennoch eine entscheidende Rolle bei der Regulierung unseres Gewichts, da er für die aufbauenden und abbauenden Prozesse im Körper verantwortlich ist. Einige Faktoren, die den Stoffwechsel beeinflussen, sind jedoch unveränderlich, wie beispielsweise das Geschlecht und das Alter.
Trotz der Tatsache, dass das Gewicht nicht unbedingt ein Maßstab für die Gesundheit darstellt und umgekehrt, geht es am Ende hauptsächlich darum, festzustellen, welcher Lebensstil am besten für einen geeignet ist. Jeder, der aus irgendeinem Grund abnehmen oder zunehmen will, sollte auf lange Sicht denken – was lässt sich das ganze Leben lang durchhalten? Studien belegen, dass radikale Diäten kaum langfristige Verbesserungen bewirken. Stattdessen sollte der Lebensstil auf den Einzelnen zugeschnitten werden. Intervallfasten, mehr Proteine, weniger Kohlenhydrate, viel Alltagsbewegung, Fettreduktion – für jeden und jede ist etwas anderes gut umsetzbar, und das kann wohl kaum in verschiedene Stoffwechseltypen eingebettet werden. Es ist wesentlich individueller, als es derzeit angenommen wird und auf diesem Gebiet fehlt noch viel Forschung.
Die Formel für die Energiebilanz gilt nach wie vor als zuverlässig: Wenn man weniger isst, als man verbraucht, nimmt man ab, unabhängig davon, mit welcher Ernährungsweise. Im Laufe der Jahre hat sie sich jedoch etwas komplizierter entwickelt. Einige Variablen haben sich hinzugefügt und sie sind der Grund dafür, dass es manchen Menschen leichter fällt, ab- oder zuzunehmen als anderen.
