
Energieträger wie Biomasse, Wasserkraft, Sonne und Wind weisen ein positives Image für die erneuerbaren Energien auf. Die Müllverbrennung dagegen erfreut sich weniger Beliebtheit, aber es ist auch möglich, Strom und Wärme aus Müll zu erzeugen. Übrigens handelt es sich um eine erneuerbare Energiequelle, da Müll letztendlich immer wieder anfällt.
Die Weltbank schätzt, dass die Weltbevölkerung jährlich über 2 Milliarden Tonnen Hausmüll erzeugt, von denen mindestens 33 % nicht umweltgerecht entsorgt werden. Auch das 3R-Prinzip – Reduce, Reuse, Recycle erweist sich als unzureichend.
Im Januar 2024 wurden die etwa 70 Müllverbrennungsanlagen in Deutschland in den Emissionshandel aufgenommen. Das heißt, für die anfallenden CO2-Emmissionen durch die Müllverbrennung müssen Emmissionsrechte erworben werden. Andererseits gilt mit dem neuen Heizungsgesetz auch Fernwärme aus Müllverbrennung neben Wasserkraft, Windkraft, Geothermie, Solarenergie und Bioenergie als erneuerbare Energie – solange sie dafür genutzt wird, zum Beispiel für das Fernwärmenetz. Weil das aber noch nicht der Fall ist, müssen jetzt die Betreiber der Müllverbrennunganlagen etwa 500 Millionen Euro jährlich aufbringen.
Allein in Deutschland werden jährlich fast 24 Millionen Tonnen CO2 durch Müllverbrennung freigesetzt. Deshalb sind Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Verbesserung der getrennten Wertstoffsammlung für eine gut funktionierende Kreislaufwirtschaft das Gebot der Stunde. Aus diesem Grund arbeiten viele Kommunen an der Umrüstung ihrer Müllverbrennungsanlagen, damit sie als Bioenergieanlagen eingestuft werden können – und sich das Geld für die CO2-Emmissionen sparen können.
Die Abwärme aus Müllverbrennungsanlagen gilt nämlich durch das Gebäudeenergiegesetz als erneuerbar. Grund: Abfall ist unvermeidlich. Dies ist zwar theoretisch wahr, aber in der Praxis nicht.
Wertvolle Ressourcen werden verbrannt
Seit 2005 dürfen Abfälle in Deutschland nicht mehr unbehandelt auf Deponien landen. Um den steigenden Müllmengen gerecht zu werden, sind alternative Wege der Abfallverwertung notwendig. Laut der gesetzlich vorgegebenen Abfallhierarchie sind Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling die sinnvollsten Ansätze im Umgang mit Müll.
Die energetische Verwertung, also die Verbrennung, steht erst an vierter Stelle dieser Hierarchie. Es ist unbestritten, dass Müllverbrennung in der aktuellen Abfallwirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Mehr als zwei Drittel des Restmülls aber, der Verbrannt wird, besteht aus Abfällen, die wiederverwertbar sind, d.h. sie könnten entweder vermieden oder recycelt werden. Dazu zählen insbesondere Bioabfälle, aber auch Holz, Altpapier, Verpackungen und sogar Elektrogeräte. Wären zum Beispiel Mehrwegverpackungen der Standard, würde deutlich weniger Verpackungsmüll im Restmüll landen. Bei der Müllverbrennung entstehen auch giftige Rückstände wie Schlacken und Filterstäube. Die Verbrennungsanlagen behindern so gesehen aber den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, denn die Müllverbrennung wird als erneuerbare Energiequelle eingestuft. Viel wichtiger ist es also, Müll zu reduzieren, statt zu verbrennen, und nicht zuletzt um die wertvollen Ressourcen zu schützen.
Vorreiter Kopenhagen mit dem saubersten Müllheizkraftwerk der Welt
Bis jetzt mussten die Dänen raus aus ihrem Land, um Skifahren zu können. Jetzt können sie ganzjährig auf der Müllverbrennungsanlage CopenHill Ski fahren. Amager Bakke ist eine 2017 eröffnete Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen. Sie versorgt aus jährlich 400.000 Tonnen Müll rund 160.000 Haushalte mit Fernwärme und 62.500 Häuser mit elektrischer Energie. Darüber hinaus dient das geneigte Dach als künstliche Skipiste.
In Dänemark klingt der Begriff „Hill“, also „Berg“ eigentlich wie ein Fremdwort, denn der höchste „Berg“ Dänemarks ist gerade 170 Meter hoch. Dennoch sind ganze 15 Prozent der Dänen begeisterte Skifahrer.
In dem Bemühen, das grüne Image von CopenHill oder Amager Bakke, wie die Anlage heißt, aufzupolieren, wurde 2021 eine Pilotanlage zur CO2-Abscheidung ins Leben gerufen.
Diese CO2-Abscheidungsanlage ist die erste ihrer Art in Dänemark. Das Ziel ist ein CO2-Abscheidungsvolumen von 500.000 Tonnen pro Jahr zu erreichen, womit der CO2-Fußabdruck um ganze 95 % sinken würde. In der Praxis ist das vergleichbar mit dem Austausch von 250.000 benzinbetriebenen Autos durch Elektrofahrzeuge.
Für dieses CO2 gibt es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten – es kann zum Beispiel unterirdisch gelagert oder für die Produktion von E-Fuels mithilfe der Power-to-X-Technologie verwendet werden.
Nach der Verbrennung werden nicht brennbare Materialien wie Asche und Metalle aufgefangen und für die Wiederverwendung aufbereitet. Beispielsweise kann die Asche im Straßenbau wiederverwendet werden. Dadurch wird der Bedarf an anderen natürlichen Quellen wie Sand und Kies verringert und es wird auch die Kreislaufwirtschaft gefördert.
Zu den modernsten der Welt zählt auch das Rauchgasreinigungssystem von Amager Bakke. Es ist das erste abfallbasierte Heizkraftwerk Dänemarks, das einen Katalysator zur Entfernung schädlicher NOx-Partikel verwendet.
