Der bedrohliche Hefepilz Candida auris verbreitet sich zunehmend in Deutschland. Die Tatsache, dass bereits 77 Infektionsfälle gemeldet wurden, alarmiert die Fachwelt.

Seit 2009 breitet sich der Hefepilz Candida auris weltweit aus und auch in Deutschland steigen die Fallzahlen.
Der Hefepilz Candida auris, der für manche Menschen tödlich sein kann, breitet sich weltweit aus, seit er 2009 erstmals in Japan entdeckt wurde. Eine Studie offenbart, dass die Zahl der Infektionen in Deutschland drastisch angestiegen ist und es gibt Herausforderungen beim Eindämmen des Pilzes.
Vor allem der drastische Anstieg in den letzten zwei Jahren stellt ein Problem dar. Die Fallzahlen haben sich nun um das Sechsfache erhöht. Besorgniserregend ist auch, dass Candida auris der erste Hefepilz ist, der weltweit zu Ausbrüchen in Krankenhäusern oder Pflegeheimen führt und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Dennoch müssen die vergleichsweise niedrigen absoluten Zahlen in Deutschland im internationalen Kontext betrachtet werden. In den USA berichten mittlerweile die Mehrzahl der Bundesstaaten über Candida-auris-Fälle: Zwischen 2013 und 2022 wurden über 5.600 Infektionen und über 13.000 Kolonisierungen registriert.
Candida auris ist mittlerweile weltweit verbreitet, insbesondere auf der arabischen Halbinsel, in Südafrika und Indien. Aber auch in Europa hat der Pilz mittlerweile in einigen Regionen Fuß gefasst. Die ersten Ausbrüche wurden 2016 in England beobachtet. Seit 2018 tritt Candida auris in Spanien auf, und seit 2019 auch in Italien. Im Jahr 2022 wurde der Pilz erstmals in Deutschland nachgewiesen. Glücklicherweise ist Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bisher von einer größeren Welle verschont geblieben.
Angesichts der vorliegenden Daten ist es wahrscheinlich, dass die Fallzahlen weiter steigen werden. Daher ist es wichtig, dass das Thema nun verstärkt in den öffentlichen Fokus gerät. Es besteht noch die Möglichkeit, die Ausbreitung des Pilzes in der Bevölkerung zu verlangsamen. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Candida auris komplett gestoppt werden kann. Daher sollten wir die Zeit nutzen, beispielsweise um die aktuell eingeführte Meldepflicht zu verschärfen. Zukünftig sollten nicht nur invasive Infektionen gemeldet werden müssen, sondern auch die vielen Fälle von Kolonisation.
Eine Besiedlung mit Candida auris ist grundsätzlich nicht gefährlich. Wenn der Pilz die Körperoberfläche eines Menschen besiedelt, möglicherweise auch die Harn- oder Geschlechtsorgane, bleibt dies oft unbemerkt. Die Bedeutung für die Gesundheit tritt besonders in Erscheinung, wenn jemand schwer krank ist und beispielsweise auf der Intensivstation liegt. Zusätzliche Risikofaktoren sind das Vorhandensein von Fremdkörpern wie zentralen Verweilkathetern, auf denen sich Candida auris besonders gut ansiedeln kann. Auch das Immunsystem spielt eine bedeutende Rolle. Wenn dieses nicht richtig funktioniert, besteht die Gefahr, dass Candida auris invasiv wird und beispielsweise eine potenziell lebensbedrohliche Blutvergiftung, eine Sepsis, auslöst. Es wurden bereits Infektionen an Prothesen sowie in Bauch-, Ohr- und Wundbereichen beobachtet.
Das war der Grund dafür, dass die bisherigen Ausbrüche ausgerechnet in Krankenhäusern auftraten. Im Jahr 2022 wurde eine Patientin mit Covid-19 auf die Intensivstation in Berlin gebracht. Einige Tage später entwickelte ein anderer Patient auf derselben Station eine Blutvergiftung, die durch Candida auris verursacht wurde. Später wurde Candida auris auch im Lungensekret der Frau gefunden, was darauf hindeutet, dass sie in der Lunge besiedelt war. Es könnte daher angenommen werden, dass der Pilz möglicherweise über ein gemeinsam genutztes Medizinprodukt übertragen wurde.
Die Herausforderung für Wissenschaftler liegt vor allem in den zunehmenden Resistenzen gegen Antimykotika. Im Gegensatz zu anderen Candida-Arten, wie dem Candida albicans, auch bekannt als „Soorpilz“, die üblicherweise gut auf Therapien ansprechen, ist dies bei Candida auris nicht der Fall. Eine Infektion mit Candida auris kann bedeuten, dass herkömmliche Therapieoptionen möglicherweise nicht mehr wirksam sind. Eine Candida-auris-Infektion im Blut kann lebensbedrohlich sein, was das Risiko erheblich erhöht. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, schnell eine angemessene Therapie einzuleiten und zu ermitteln, welche Medikamente noch wirksam sein könnten.
Infektionen mit Candida auris erfordern in der Regel eine Therapie, insbesondere wenn der Pilz noch nicht in den Blutkreislauf eingedrungen ist. In solchen Fällen besteht die Möglichkeit, die Infektion erfolgreich zu behandeln. Wenn jedoch nur eine Besiedlung vorliegt, ist eine Therapie normalerweise nicht angebracht. In diesen Fällen ist es wichtig, die Antimykotika zu schonen, für den Fall, dass der Pilz später invasiv wird oder eine invasive Infektion entwickelt. Dies stellt die Herausforderung in der Behandlung von Candida-auris-Infektionen dar.
Besiedlungen oder Durchseuchungen können bis zu sechs Monate andauern. Das Wort ist vielen aus der Coronapandemie bekannt. Die aktuellen Datenentwicklungen in Deutschland deuten darauf hin, dass es in Zukunft wahrscheinlich noch mehr Fälle von Candida auris geben wird. Obwohl die Zahlen hierzulande nicht so schnell steigen wie in den USA oder in anderen europäischen Nachbarländern, ist dennoch die Versechsfachung der Fallzahlen alarmierend. Auch wenn das Risiko aktuell noch auf einem niedrigen Niveau liegt und keine flächendeckende Gefahr besteht, ist eine solche Zunahme besorgniserregend.
Viele Faktoren beeinflussen die Entwicklung von Candida auris-Fällen in Deutschland. Zum Beispiel können erneute Ausbrüche und deren Kontrolle sowie die vermehrte Eintragung von Candida auris aus Ländern mit hoher Inzidenz eine Rolle spielen. Wenn beispielsweise jemand als Tourist in Südafrika ein medizinisches Ereignis erlebt und dort behandelt wird, besteht die Möglichkeit, dass er sich mit Candida auris infiziert und ihn nach Deutschland einschleppt. Bis 2021 wurden die meisten Fälle in Deutschland mit Reisen in Verbindung gebracht, aber dieser Trend scheint sich nun zu ändern.
Candida auris wurde erstmals 2009 im Ohr einer japanischen Krankenhauspatientin entdeckt. Die Ausbreitung des Pilzes wirft verschiedene Theorien auf, die von Wissenschaftlern diskutiert werden. Molekularbiologische Untersuchungen legen nahe, dass die Ursprünge von Candida auris vor etwa 20.000 Jahren liegen könnten, was darauf hindeutet, dass der Pilz schon lange existiert haben könnte. Eine Theorie besagt, dass der vermehrte Einsatz von Antipilzmitteln in der Landwirtschaft Candida auris begünstigt haben könnte, da diese Hefe gegenüber diesen Mitteln resistent ist. Eine andere Theorie argumentiert, dass sich der Pilz durch den Klimawandel über verschiedene Zwischenstufen im menschlichen Umfeld ausgebreitet haben könnte, da Candida auris im Allgemeinen sehr widerstandsfähig ist und gut an Oberflächen haftet. Die genaue Ursache bleibt jedoch noch unklar.
In anderen Ländern wie Dänemark und den Niederlanden werden deutsche Patienten, die Kontakt mit dem stationären Gesundheitswesen haben, zunächst isoliert und auf viele multiresistente Bakterien getestet. Es wird nun auch darüber nachgedacht, Candida auris in diese Tests aufzunehmen. In Deutschland erscheinen generelle Screenings in Pflegeheimen und anderen Gesundheitseinrichtungen zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der aktuellen geringen Fallzahlen nicht sinnvoll.
Bei internationalen Ausbrüchen wurde Candida auris oft auch auf Oberflächen nachgewiesen. Dies findet man in Deutschland jedoch so gut wie gar nicht. Dies deutet darauf hin, dass die Basishygiene hierzulande offenbar gut eingehalten wird. Für die Zukunft sollte schnell auf einen Ausbruch auf einer Station reagiert werden. Hierzu wurden bereits entsprechende Empfehlungen veröffentlicht. Besonders alarmierend bei Candida auris sind zudem die kurzen Kontaktzeiten.
Pilze stellen eine unterschätzte Gesundheitsgefahr dar. Obwohl die moderne Medizin zunehmend ausgefeilte Methoden entwickelt hat, um in das Immunsystem einzugreifen, führt der Anstieg immunsupprimierter Patienten auch zu einem Anstieg invasiver Pilzinfektionen. Das Thema Pilzinfektionen wird uns daher in Zukunft sicherlich weiter beschäftigen. Ein Beispiel hierfür ist die Infektion mit Fusarium, einem Fadenpilz, der sich über Kontaktlinsen auf die Hornhaut setzen kann und zu schwer behandelbaren Infektionen führt. Was Candida auris neu macht, ist die Tatsache, dass der Pilz von Mensch zu Mensch übertragbar ist – ein Aspekt, der zuvor nicht so stark beachtet wurde.
Diskussionsfragen zum Thema:
- Wie unterscheidet sich Candida auris von anderen Erregern in Bezug auf Übertragunswege und Resistenz gegen Antimykotika?
- Welche Herausforderungen stellen sich für das Gesundheitswesen bei der Diagnose und Behandlung von Candida auris-Infektionen, insbesondere angesichts seiner hohen Mortalitätsrate?
- Welche prävantiven Maßnahmen und Hygienestandarts werden empfohlen, um die Ausbreitung von Candida auris in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu verhindern?
Aufgabe:
Hören Sie den Podcast Krankmachende Pilze – Der Mensch in schlechter Gesellschaft an!




2 Gedanken zu “Candida auris in Deutschland: Bedrohliche Verbreitung und Herausforderungen”