Die Initiative, den Kauf von Zigaretten für zukünftige Generationen in Großbritannien zu verbieten, wird als bedeutender Fortschritt betrachtet. Könnte dies auch ein Vorbild für Deutschland sein?

Könnte das bald der Vergangenheit angehören? Zwei Personen stehen vor einer Bar und rauchen.
In Deutschland wird derzeit über die Einführung eines Zigarettenverbots diskutiert, ähnlich dem, das von den Briten geplant ist. Dort soll das Mindestalter, ab dem man Zigaretten kaufen kann, jährlich angehoben werden. Zuerst von 18 auf 19 Jahre, dann auf 20 und so weiter. Falls eine solche Maßnahme jetzt eingeführt würde, wären Jugendliche im Alter von 17 Jahren oder jünger niemals in der Lage, Tabakprodukte zu erwerben.
Ein solches Modell, das den Zugang zu Tabak erschwert, könnte auch in Deutschland positive Auswirkungen haben.
Die Briten haben verschiedene Szenarien für ihr Land berechnet. Im ungünstigsten Fall, wenn trotz der Regelung viele junge Menschen mit dem Rauchen beginnen, könnte sie bis zum Jahr 2100 etwas mehr als 70.000 vorzeitige Todesfälle verhindern. Im besten Fall, wenn nur wenige Personen anfangen zu rauchen, wären es fast 130.000. Zudem könnten damit schwere Erkrankungen wie Schlaganfälle vermieden werden.
Das sind in der Tat beeindruckende Zahlen. In Deutschland könnten jedoch noch weit höhere Zahlen erreicht werden, um viele Todesfälle zu verhindern. Dies liegt nicht nur an der größeren Bevölkerungszahl, sondern auch daran, dass in Deutschland wesentlich mehr Jugendliche und junge Erwachsene rauchen als in Großbritannien. Es ist anzunehmen, dass auch zukünftig in Deutschland mehr Jugendliche mit dem Rauchen beginnen werden als in Großbritannien, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden. Daher könnte eine solche Maßnahme in Deutschland im Verhältnis deutlich mehr Menschen erreichen, aufgrund der ungünstigen Ausgangslage.

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Die Briten haben in den letzten Jahrzehnten deutlich mehr unternommen, um den Zigarettenkonsum einzudämmen: Großbritannien rangiert auf der Europäischen Tabakkontrollskala an erster Stelle, während Deutschland auf dem viertletzten Platz von insgesamt 37 Ländern liegt. Aus diesem Grund sind die Briten nun in der Lage, das „Endgame“ einzuleiten, wie dieses Vorhaben auch genannt wird: den finalen Schritt, um den Tabakkonsum im Land weitgehend zu beenden. Von einem solchen Ziel ist Deutschland noch weit entfernt.
Die Briten haben vor allem eine klare Strategie, in der sie konkret festgelegt haben, welche Ziele zu welchem Zeitpunkt erreicht werden sollen. Dafür haben sie eine Vielzahl von Maßnahmen eingeführt, von denen wir in Deutschland nur träumen können. Unter anderem gibt es dort umfassende Sponsoring- und Werbeverbote. Selbst auf den Verpackungen ist es untersagt, mit dem Markennamen zu werben: Alle Verpackungen sehen gleich aus, und die Marke ist nur in kleiner Schrift zu lesen.
In Deutschland wurden in der Tat immer strengere Regeln eingeführt, wie zum Beispiel das Rauchverbot in Kneipen, die Einführung abschreckender Bilder auf den Verpackungen und das Verbot von Außenwerbung seit zwei Jahren.
Dennoch gibt es Unterschiede zu Großbritannien. Zum Beispiel ist es in Deutschland immer noch erlaubt, am Verkaufsort für Tabakwaren zu werben. Einige Tankstellen sind regelrechte Tabakwerbeveranstaltungen. Des Weiteren gibt es in Großbritannien viel striktere Rauchverbote in der Öffentlichkeit, wie etwa in der Gastronomie und an Arbeitsplätzen – Maßnahmen, die in Deutschland noch nicht in allen Bundesländern umgesetzt wurden. In Deutschland wird man daher weiterhin an vielen Orten mit dem Rauchen konfrontiert, was es schwer machen kann, nicht damit anzufangen oder aufzuhören.
In Deutschland werden Nikotin-Ersatzprodukte nach wie vor nicht von den Krankenkassen erstattet. Im Gegensatz dazu sind sie in Großbritannien kostenlos, ebenso wie Entwöhnungsmedikamente. Zusätzlich dazu gibt es dort „Stop Smoking Services“, die im Gesundheitswesen integriert sind. Diese Anlaufstellen bieten Unterstützung für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören möchten. Dort können sie Beratung erhalten und es werden Hilfsangebote wie Kurse angeboten, die sie besuchen können, um beim Rauchstopp unterstützt zu werden.
In Deutschland ist es jedoch oft schwierig, Menschen zu finden, die mit dem Rauchen aufhören möchten, und die Anbieter von Rauchstopp-Kursen haben Schwierigkeiten, ihre Kurse zu füllen – das hört man immer wieder. Es gibt wenig bis gar keine organisierte Unterstützung, und es fehlen Schnittstellen zwischen Arztpraxen und den Rauchstopp-Kursen. Dabei ist es besonders wichtig, gerade Menschen zu unterstützen, die aufhören möchten. Denn Studien zeigen, dass selbst im höheren Alter das Aufhören noch gesundheitliche Vorteile bringen kann.
Ein hoher Preis für Tabak ist zweifellos eine wirksame Maßnahme, um Menschen vom Rauchen abzuhalten. Die effektivste Maßnahme ist jedoch bei weitem die Erhöhung der Tabaksteuer. Sie wirkt in allen Altersgruppen, sowohl bei jungen Menschen als auch bei älteren. In Deutschland kostet eine Packung Tabak nur etwa halb so viel wie in Großbritannien. In den letzten Jahren wurde die Tabaksteuer in Deutschland jedoch nur in sehr geringem Maße erhöht, was weniger effektiv ist.
Eine effektive Strategie wäre, regelmäßig wie die Briten eine Erhöhung vorzunehmen, beispielsweise jährlich. Studien zeigen, dass eine Preiserhöhung um zehn Prozent die Nachfrage um etwa fünf Prozent senkt und dazu führt, dass etwa 2,5 Prozent der Raucherinnen und Raucher mit dem Rauchen aufhören.
In Deutschland scheint eine Tabaksteuererhöhung jedoch nicht besonders realistisch zu sein, da es einige eher wirtschaftsfreundliche Parteien gibt, die in den letzten Jahren immer wieder an der Regierung beteiligt waren und solche Maßnahmen verhindert haben. Gleichzeitig übt die Tabaklobby hier einen starken Einfluss aus. Darüber hinaus fehlt es lange Zeit an einem starken Gegengewicht aus der Zivilgesellschaft.
Im Vergleich dazu verfügt Großbritannien über eine sehr starke Tabakkontrollforschung und eine traditionell enge Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Organisationen, die sich politisch für Tabakprävention engagieren.
Die britische Regierung hat modellieren lassen, welche Auswirkungen ein Tabakkaufverbot hätte:
- Koronare Herzkrankheit: Im besten Fall könnten bis zum Jahr 2075 38.000 Krankheitsfälle verhindert werden.
- Lungenkrebs: Bis zu 6.300 Fälle ließen sich bis 2075 vermeiden.
- Todesfälle: Fast 130.000 vorzeitige Tode könnten bis 2100 verhindert werden.
Die kürzlich beschlossene Cannabislegalisierung in Deutschland könnte Anlass sein, über ein Kaufverbot für Zigaretten nachzudenken. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass eine so einschneidende Maßnahme in absehbarer Zeit umgesetzt wird. In Deutschland wird meist nur über kleinere Maßnahmen diskutiert, und selbst diese stoßen auf Widerstand. Die jüngste Initiative von Gesundheitsminister Karl Lauterbach, ein Rauchverbot in Autos einzuführen, ist ebenfalls ins Stocken geraten.
Was dringend benötigt wird, ist eine umfassende Gesamtstrategie. Selbst ein Kaufverbot für Jugendliche wäre nur eine Einzelmaßnahme, deren Auswirkungen erst in Jahrzehnten sichtbar würden. Die heutigen jungen Erwachsenen müssten erst 30 oder 40 Jahre lang rauchen, bevor sich gesundheitliche Folgen wie Schlaganfälle oder Lungenkrebs zeigen und zu einem vorzeitigen Tod führen. Erst dann würde man feststellen können, ob das Rauchverbot tatsächlich positive Auswirkungen hat, indem Menschen nicht mit dem Rauchen beginnen.
Es ist unerlässlich, eine solche Regelung eng mit Maßnahmen zur Rauchentwöhnung für die mittleren und älteren Bevölkerungsgruppen zu verknüpfen, die in den letzten Jahren stark vernachlässigt wurden. Die bisherigen Maßnahmen in Deutschland konzentrierten sich hauptsächlich auf den Jugendschutz, während andere Altersgruppen oft übersehen wurden. Vor allem im Bereich der Tabakentwöhnung besteht daher kurz- und mittelfristig ein enormes Potenzial für Verbesserungen.
In den 1990er Jahren wiesen die Raucherquoten in Großbritannien ähnlich hohe Werte wie in Deutschland auf. Doch dann setzten die Briten konsequent Maßnahmen zur Tabakkontrolle um und erzielten damit Erfolge. Heute rauchen dort nur noch 14 Prozent der Bevölkerung, während es in Deutschland fast 32 Prozent sind.
Natürlich trägt jeder Einzelne eine Verantwortung für sich selbst. Doch diese Verantwortung kann schwierig wahrzunehmen sein, insbesondere wenn man stark nikotinabhängig ist. Daher ist es entscheidend, Unterstützung und Hilfsangebote für diejenigen anzubieten, die mit dem Rauchen aufhören möchten.
Diskussionsfragen zum Thema:
- Fassen Sie den Text in eigenen Worten zusammen! Welche Informationen sind für Sie am wichtigsten?
- Warum gibt es angesichts der Gesundheitsschäden noch kein generelles Rauchverbot?
- Welche Maßnahmen und Regelungen hat die Regierung Ihres Landes zur Bekämpfung des Rauchens getroffen?
- Wie hat sich das Rauchverhalten seit der Einführung von Rauchverboten verändert und welche Trends sind bei der Nutzung von alternativen Nikotinabgabesystemen wie E-Zigaretten zu beobachten?
Aufgabe:
Sehen Sie sich den Film Nikotin, eine Droge mit Zukunft an!


3 Gedanken zu “Rauchverbote: Großbritanniens Erfolgsmodell und die Potenziale für Deutschland”